Im Ausland studieren – in Deutschland bleiben

Mit 44.300 Euro fördern NRW-Wissenschaftsministerium und Stifterverband die Realisierung eines virtuellen Auslandsstudiums im „infernum“-Studium von FernUniversität und Fraunhofer UMSICHT.


Mit 44.300 Euro wird Dr. Daniel Otto, Politikwissenschaftler an der FernUniversität in Hagen, vom nordrhein-westfälischen Wissenschaftsministerium und vom Stifterverband im neuen Programm „Fellowships für Innovationen in der digitalen Hochschullehre“ gefördert. Der Wissenschaftliche Mitarbeiter im Lehrgebiet Internationale Politik sowie im weiterbildenden Masterstudiengang Interdisziplinäres Fernstudium Umweltwissenschaften („infernum“) will mit seinem Projekt „Lehr- und Lerninnovationen für Modulangebote mit virtueller Mobilität“ ein virtuelles Auslandsstudium als Alternative zum tatsächlichen Auslandsaufenthalt entwickeln. „infernum“ ist ein gemeinsames Angebot der FernUniversität in Hagen und des Fraunhofer-Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT in Oberhausen.

„Der internationale Austausch kann eine wichtige inhaltliche und persönliche Lernerfahrung für Studierende sein – fachlich, sprachlich und interkulturell“, betont Dr. Daniel Otto aus eigener Erfahrung als Student und Lehrender. Sein Ziel ist, die virtuelle Mobilität im „infernum“-Masterstudium und in der Lehre der FernUniversität allgemein zu etablieren und sich mit anderen Hochschulen auszutauschen.

Ziel ist, durch geeignete digitale Lehrformate die Interaktion der Studierenden zu erhöhen, das Lernen in den studentischen Alltag zu integrieren und damit Lernerfolg und Lernmotivation der Studierenden zu steigern. Im Fokus stehen insbesondere Studierende, die berufstätig sind, Kinder erziehen, in ihrer Mobilität beeinträchtigt sind oder die aus anderen Gründen nicht ins Ausland gehen können.

Dr. Daniel Otto

Neues „infernum“-Wahlmodul

Realisiert werden soll das Konzept im Wahlmodul zum Thema „Energy and Energy Efficiency: Technology and Policy“ des Masterstudiums „infernum“. Durch die Nutzung der virtuellen Mobilität werden „infernum“-Studierende gemeinsam mit Studierenden des Masterstudiengangs „Energy Efficiency in Real Estate“ der Arcada University of Applied Sciences in Helsinki (Finnland) das Modul belegen, insgesamt 20 Studierende pro Semester. In einer Pilotphase wird das neue Angebot im Herbst 2017 von den Studierenden getestet und evaluiert.

Digitale Innovationen

Um Lernerfolg und -motivation der Studierenden zu erhöhen, werden digitale Innovationen für die virtuelle Zusammenarbeit eingesetzt. Seamless Learning bezeichnet nahtlose Lernübergänge unabhängig von Zeit und Ort, etwa durch die Nutzung mobiler Endgeräte. Beim Peer Assessment evaluieren die Studierenden die Ergebnisse ihrer Lernprozesse gegenseitig in Gruppen. Das Simulation Game (Planspiel) basiert auf der Idee, dass sich komplexe Problemstellungen mittels Nachspielen und Nacherleben besser verstehen lassen.

Erstaunlicherweise spielen digitale Medien und die Nutzung digitaler Technologien für innovative internationale Lehrformate bisher keine oder nur eine geringe Rolle, obwohl die grenzüberschreitende Zusammenarbeit auch in der Lehre für Hochschulen immer wichtiger wird. Daniel Otto: „Mobilität im Studium wird noch immer überwiegend als physischer Wechsel des Studienortes verstanden. Technische Entwicklungen ermöglichen jedoch Alternativen. Nicht zuletzt trägt virtuelle Mobilität zur Bildungsgerechtigkeit bei, da körperliche, private, berufliche oder auch finanzielle Einschränkungen kein Hindernis mehr dafür sind, im Studium virtuell mobil zu sein.“

Das Konzept bietet viele Möglichkeiten und Vorteile, vor allem

  • Teilnahme an Kursen ausländischer Universitäten, die etwa von der eigenen Universität nicht angeboten werden
  • Ergänzung physischer Mobilität um virtuelle Elemente (Sprachkurse etc.)
  • virtuelle Praktika
  • virtuelle Vorlesungen von Gastdozierenden
  • verbesserte Kompetenzen bei der Nutzung neuer Informations- und Kommunikationstechnologien und bei der interkulturellen Zusammenarbeit
  • asynchrone Kommunikation.
  • geringe Kosten.

In der Lehrforschung wird deshalb zunehmend gefordert, dieses Konzept als gleichwertig zur physischen Mobilität anzuerkennen. Diese Meinung vertritt auch die European Association of Distance Teaching Universities (EADTU). Die Europäische Kommission fördert verschiedene Formen der virtuellen Mobilität.

„Fellowships für Innovationen in der digitalen Hochschullehre“

Mit ihrem neuen Programm „Fellowships für Innovationen in der digitalen Hochschullehre“ unterstützen das NRW-Wissenschaftsministerium und der Stifterverband 46 Lehrende bei der Einführung innovativer digitaler Lehrvorhaben an den Hochschulen. Für die Umsetzung ihrer Konzepte erhalten die Fellows jeweils bis zu 50.000 Euro. Die Fellowships werden jährlich ausgeschrieben.

www.stifterverband.org/digital-lehrfellows

Gerd Dapprich | 18.01.2017