Forschungsprojekt zur Anti-Sklaverei-Bewegung

Die Gerda Henkel Stiftung fördert das Lehrgebiet Geschichte der Europäischen Moderne bei der Erforschung der Motive und der Ausbreitung der Anti-Sklaverei-Bewegung.


Bild von zwei Frauen Foto: FernUniversität
Saskia Geisler (li.) und Prof. Alexandra Przyrembel freuen sich über die Förderung durch die Gerda Henkel Stiftung.

„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren“, heißt es in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. In keinem Land der Welt ist Sklaverei heute noch gesetzlich legitimiert. Auf den ersten Blick erscheint die Anti-Sklaverei-Bewegung als eine große Erfolgsgeschichte. Genauer hinsehen möchte das Lehrgebiet Geschichte der Europäischen Moderne der FernUniversität in Hagen. Sein Forschungsprojekt „Zwischen Ökonomie und Moral: Die Anti-Sklaverei-Bewegungen als transnationales Netzwerk im 'langen 19. Jahrhundert“ wird durch die Gerda Henkel Stiftung gefördert.

Kooperation zwischen Hagen und Bochum

„Wir freuen uns sehr darüber, dass unser Antrag genehmigt wurde. Die Kooperation zweier Standorte und die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses sind bei der Stiftung sehr gut angekommen“, erklärt die Leiterin des Lehrgebiets Prof. Dr. Alexandra Przyrembel. Gemeinsam mit Prof. Dr. Stefan Berger vom Institut für Soziale Bewegungen der Ruhr-Universität Bochum hatte sie den Antrag bei der Gerda Henkel Stiftung eingereicht. Für drei Jahre stehen nun Gelder für ein Doktorandenstipendium in Bochum und ein Postdocstipendium in Hagen zur Verfügung. Darüber hinaus werden Reisen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Tagungen finanziert.

Gerda Henkel Stiftung

Die Gerda Henkel Stiftung unterstützt Forschungen aus dem Gebiet der historischen Geisteswissenschaften durch Promotions- und Forschungsstipendien sowie Personal-, Reise- und Sachmittel.

Die Postdoc-Position an der FernUniversität übernimmt Saskia Geisler. Sie befindet sich gerade noch in den letzten Zügen ihrer Promotion und wird ab Januar in dem Projekt an ihrer Habilitation arbeiten. Dabei wird sie ihren Fokus insbesondere auf den transnationalen Aspekt legen. „Die Anti-Sklaverei-Bewegung ist zwar auf vielen Ebenen schon sehr gut erforscht, insbesondere im angelsächsischen Gebiet. Der räumliche Fokus ist hingegen neu.“ In Europa liegt der Anfang der Anti-Sklaverei-Bewegung in Großbritannien. „Ich möchte beispielsweise erforschen, wie Praktiken, die sich dort bewährt haben, in die anderen Länder gekommen sind.“ Andere Aspekte werden der Einfluss auf die Gesetzgebung des Kaiserreichs oder die Frauenbewegung sein. „Wir stellen die Frage, ob es immer rein altruistische Motive gab, sich der Anti-Sklaverei-Bewegung anzuschließen oder ob darüber hinaus noch andere Gründe eine Rolle spielten.“ Das Promotionsprojekt in Bochum wird sich dem Zusammenhang zwischen Arbeiterbewegung und Sklaverei widmen. „Insgesamt möchten wir keine reine Erfolgsgeschichte erzählen, sondern auch die Widerstände in den Blick nehmen“, erläutert Alexandra Przyrembel.

Internationales Projekt

Für ihre Recherchen wird Saskia Geisler neben Quellen aus dem Bundesarchiv in Berlin unter anderem auch Quellen in Großbritannien und den Niederlanden erforschen. Entsprechende Auslandsaufenthalte sind bereits geplant und können über die Gelder der Gerda Henkel Stiftung abgedeckt werden. Alexandra Przyrembel betont: „Bei unserem transnationalen Ansatz ist die internationale Zusammenarbeit wichtig. Daher möchten wir mit anderen Projekten in Europa kooperieren.“

Einen ersten Workshop zur Methodik haben die Historikerinnen und Historiker in Bochum und Hagen für Herbst 2020 geplant. Konkrete Ergebnisse wird das Team dann auf einer großen internationalen Abschlusstagung am Ende der Projektlaufzeit präsentieren. Außerdem möchte Saskia Geisler vorher bereits eine Möglichkeit nutzen, welche die Gerda Henkel Stiftung mit dem Projekt L.I.S.A. zur Verfügung stellt: In ihrem Wissenschaftsportal können geförderte Projekte multimedial präsentiert werden. „Daran möchten wir uns auf jeden Fall beteiligen.“

Carina Grewe | 28.10.2019