„Wir sind mitten im Klimawandel”

Seit über 25 Jahren prognostiziert er verlässlich und anschaulich das Wetter im Ersten: der diplomierte Meteorologe und Moderator Karsten Schwanke.


Schmuckbild Foto: Econ Referenten-Agentur
Wetterfest: TV-Meteorologe Karsten Schwanke

Beim Campusfest der FernUniversität am 20. August wird Schwanke mit einem Vortrag zu Gast sein: „Klimawandel – DIE Herausforderung für unsere Gesellschaft”. Der Vortrag ist Teil der Ringvorlesung im Forschungsschwerpunkt Energie, Umwelt, Nachhaltigkeit (EUN) an der FernUni und bricht hochaktuelle Themen auf populärwissenschaftliche Ebene herunter.

Im Kurzinterview gibt Karsten Schwanke einen Vorgeschmack auf seinen Vortrag.

FernUniversität: Herr Schwanke, der Titel Ihres Vortrags macht es deutlich. Der Klimawandel lässt sich nicht leugnen. Woran machen Sie das fest?

Karsten Schwanke: Hitze, Dürreperioden und Starkregenereignisse mit Überschwemmungen – das erleben wir doch längst. Im vergangenen Jahr hat eine Katastrophe das Ahrtal getroffen, auch in Hagen gab es starke Überschwemmungen. Die Folgen des Klimawandels sind schon viel stärker, als es vielen bewusst ist. Wir sind dabei, den Klimawandel zu unterschätzen. Ich trete an, um mehr Menschen die Augen zu öffnen.

Inwieweit hat sich durch den Klimawandel auch Ihre Rolle als TV-Wetterexperte verändert?

Mit einem Zeitfenster von zwei Minuten im Fernsehen kann ich nie so schnell oder genau wie eine App sein. Trotzdem bin ich als Mensch insgesamt besser als eine App. Ich vergleiche und bewerte. Unsere Aufgabe als Meteorologinnen und Meteorologen ist es, etwa bei Unwetterlagen Zusammenhänge aufzuzeigen und vor allem Aufklärungsarbeit zu leisten. Die Menschen müssen verstehen, wie greifbar die Folgen des Klimawandels sind – und dass Überschwemmungen, Waldbrände oder Dürren keine Einzelereignisse mehr sind. Deshalb müssen wir uns zum Beispiel von statistischen Klimamittelwerten lösen und auf einzelne Messwerte schauen. Mittelwerte verharmlosen den Klimawandel.

Campusfest 2022

Der Vortrag am 20. August beginnt um 17.45 Uhr auf dem Campus und wird live gestreamt. Moderiert wird Karsten Schwanke von Prof. Dr. Alfred Endres, Direktor des Forschungsschwerpunktes EUN an der FernUniversität. Im Anschluss steht Schwanke in der Universitätsbibliothek für Fragen aus dem Publikum Rede und Antwort.

Zum kompletten Programm beim Campusfest

Unternehmen wir aus Ihrer Sicht ausreichend gegen die Klimakrise?

Wir müssen uns als Gesellschaft umstrukturieren. Das kostet viel Geld. Die Lösungen dafür liegen alle auf dem Tisch. Wir brauchen eine andere Infrastruktur, müssen massiv in Energiequellen wie Sonne und Wind investieren – und darüber in Stromnetze. Das ist nur gesamtgesellschaftlich zu stemmen. Die Angebotsseite muss reizvoller werden, und da ist die Politik gefragt: Wir brauchen auch ein sauberes und ein günstiges Nahverkehrssystem. Das Neun-Euro-Ticket ist ein gutes Beispiel. Außerdem: Wir müssen nicht über so was wie Kurzstreckenflüge streiten. Als die ICE-Schnellstrecke zwischen Hamburg und Berlin eröffnet wurde, war das ein voller Erfolg. Die Lufthansa hat den Flugverkehr zwischen beiden Städten einfach eingestellt, da war kein Verbot notwendig. Einige Unternehmen haben bereits begriffen, wie es geht. Die werden langfristig besser da stehen. Aber es kostet eben. Billig hilft uns nicht weiter. Dennoch: Nichtstun kostet am Ende deutlich mehr als jeder Euro, den wir heute in den Klimaschutz investieren. Wir müssen nachhaltiger handeln – und den Druck auf die Politik erhöhen.

Eine Frage zum Abschluss: Wie lautet Ihre Prognose für das Wetter beim Campusfest am 20. August – 18 Grad und Nieselregen oder laue 23 Grad?

Das kann ich soweit im Voraus noch nicht mal im Ansatz sagen. Eine halbwegs seriöse Prognose hängt von der Wetterlage und der Region ab. Eine Großwetterlage – etwa für Europa – kann ich längerfristig vorhersagen, aber lokale Wetterereignisse erst kurzfristig. Ich sag’s mal so: Man kann es sich bei jedem Wetter nett machen.


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Anja Wetter | 11.08.2022